Der Pfarrer - Banater-Marienfelder-Erinnerungen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Der Pfarrer

Geschichten

                                                         

                                                       


Der Pfarrer


Die Lage dr Katholischen und aa dr Evangelischen Kirche hat sich nooch dem zwate Weltkriech immer mehr verschlechtert. Noodem die „Stalinistischi Kommuniste" dr König am 30.12.1947 entmachtent ham un aus dem Land ins Exil verjagt ham, hat sich die Parteiclique, hauptsächlich die Ana Pauker, zum Ziel gesetzt, die Kirche mit ihren Gläubigen zu diskreditieren und zu unterdrücken, dazu ware ihnen alli abscheuliche Mitteln Recht.
Da nun die „Partei", in den 50-60 Jahren im Stalinistischen Wahn un Rausch regiert  ham,
hat es am laufendem Band Verhaftungen un Verleumdungen gegen die Priester un Obrigkeiten der Kirche gewe. A beliebti Verleumdung war: Spionage far den Westen,
feindliche Handlungen geger die Regierung un anri kriminelli Handlunge un Scheingründe. Vielie Priester und auch einige Bischöfe, sein verhaftet un zu jahrelanger Gfängnisstrof, verurteilt ware. Un des alles um die „Kirche" un Leit abzuschrecke,  so das se in dere Stalinistisch  Diktatur, fügig un gehorsam sein. A Glawe an Gott is in aner Diktatur net erwünscht un wird mit alle Mittel bekämpft. Vun die Kommuniste als „Opium" des Volkes genannt. Dr einzichi wahri Gott im Kommunismus is die „Partei". In der Zeit in deni 50-ziger Jahre, durch di oben beschriebeni Zuständ, ware zu wenich Pfarrer. Net selte hat a Pfarrer zwaa bis 4 Orte betreue misse. Die meischti Leit ham sich trotz deni Einschränkunge un Schikane vun dere Kommunistische Partei, vun ihram Glawe net abbringe glost. Des war aa a schlimi Zeit, die Leit ham sowiso gnung mitgmacht mim Kriech, vieli Famileimitglieder un Freind sein im Kriech gfalle, es war nooch am Flichte, Rußlandeportation, Baragandeportation, Enteignung und Entrechtung, besetzti Haiser- noo al dem, hat mr Gott un Trost gsucht. Un grad jetzt kumme die „Gottlose Halunke" un wolle unser Glawe verbiete. Mir ham weiter unsri Kinner in dr Kirich taafe glost, kirchlich traue glost un bei dr Beerdigung, war a immer a Pfarrer uns Kirchechor. Des war schun vun ama Pfarrer viel vrlangt. War frieher , far am Kriech, fascht in ama jede Ort a Pfarrer, hat jetzt oner far mehreri Orte alles, mache misse. Un es ware jo net so vieli jungi Pfarrer, weil jo koni nochkumme sein, des war jo dr Regierung ihre Plan. Die Zuständ ware jo aa bekannt im Ausland, wu in Bezug Kirche un Glauben , normale Zuständ ware. Diese Menschen Haben sich was ausgedenkt wie mer deni Pfarrer do di Arweit erleichtre kennt un ham no a MOPED(Zündapp),
(Moped is jo a Fahrrad mit Motor, die Bezeichnung is: Motor un  Pedal), am Pfarrer gschickt. Un so a Moped hat unser Pfarrer in Marijafeld aa grigt. Des war schun a großi Hilf far sei Tätigkeit. Er musste jo auser Marijafeld noch Nero un Klontermin betreue. In dere schlimmstie Zeit war unser Pfarrer dr richtig Mann far Marijafeld. Er war a inteligenter Mensch un a so schlagfertich, wie die Marijafelder. Was wichtich war, er is mit deni politischen „Genossen", mit seiner Art fertich ware un hat so manches dursetze kenne. Es war vieleicht sei Vorteil das er dem „Wein",
net abgneigt war, s`war  jo gnung in Marijafeld ,  un a mol mi so einem, Genossen, ein Gläsle getrunke hat, um was far die Kirch durchzusetze.
Die Kirweibuwe sein a widrum an dr Kirweih, in die Kirch kum un noch drzu mit dr Blechmusich. Es is jo immer wiedr varkum, das so a "Parteimann" heimlich sich in dr Kirich traue hat glosst, odr ihne Kinner getaaft sein ware. Die Gottesfurcht war jo net ganz weg.
Des mit dem Mobed hat jo ganz gut geklappt, nar unse Pfarrer war technisch net so begabt. No ises kum wies hat kume mise. So uf ohner Fahrt noch Nero so uf am halwedi Weg, is am Moped sei Motor stehn gebliewe un hat nimmer wolle. Wie unser Herr Pfarrer do an dem Motor rumgwerklt hat, kumm vun Nero dr Vorstand, vun dr Kollektivwirtschaft, mit seinem Schofer in ama Geländewagen, die ham zu selle Zeit "IMS"ghast.
Die bleiwe stehn, weil sie jo dr Pfarrer gut gekennt ham un dr Vorsitzende frogt „ Herr Pfarrer was is mi dem Moped?" willst net mer?
„ Nein Herr Vorsitzender (Dr Pfarrer hat jeden mit Herr un net mit Genossen angredt) . „Ehrlich gesagt ich kenne mich nicht aus, daher weiß ich nicht wo das Problem liegt". „Na gut Herr Pfarrer, mein Schofer soll nach dem Fehler suche un des Rad widr zum laafe bringe. Der Vorsitzende hat auch Marijafelder Dialekt sprechen können. Dr „Präsident" wie mr zu deni gsagt hat, war jo a guter Mensch wu a mol a Spaß vrstande hat. Er war ooner vun deni Kommuniste, net so gfährlich, so am Mitläufer, awer er hat sei Roll gut gschpielt, war in seiner Wirtschaft a guter un angsehener Mensch. Hat sie Leit a scheenes Geld verdiene glost. Er un dr Herr Pfarrer ham a schun manchsmol a Gläsl Wein zusammegetrunke, Wein vun dem jo gnung in Marijafeld un Nero war. Unser Pfarrer war jo so net so dick un iwergewichtig, wie mr heit sagt, awer er hatte so a „Spitzbauch" oder aa "Bierbauch".
Bekannt war jo unser Pfarrer far seini Schlagfertigkeit. Wie sie so stehn uf dr Strooß un warte bis dr Schofer des Moped reppariert, frogt uf omol dr Vorsitzende „Sie Herr Pfarrer was haben Sie in dem Fäßle Drinnen?" un zeigt uf den Bauch vum Herr Pfarrer. „Ach meint der Herr Pfarrer, da kann ich Ihnen mein Sohn ihre Neugier befriedigen." „Sie müssen nur an meinem Spundloch hinten riechen!". Na uf so a schnelli Antwart hat unser President net gedenkt. Na gut Herr Pfarrer 1 zu 0 far Sie.
Awer Sie sollten mir noch was erklären Herr Pfarrer. „Die Pfarrer sein doch „Jünger Jesus", net war?". „Na ja im gewissen Sinne schon mein ungläubiger Sohn". „Nun gut Herr Pfarrer , in der Zeit wu Jesus auf der Erd gwandelt is, vun einem Ort zum anderen, um die Christliche Liebe zu predigen, war er in Begleitung vun seine Jünger, auf einem Esel gritten und a Jünger hat dene Esel an der Leine gführt." „Jetzt frag ich Sie Herr Pfarrer:warum fahre Sie mit ama Moped un reite net uf am Esel, so wi’s dr Herr gmacht hat un a so gewollt  hätt?." „Nun ja mein verirrter Sohn, denke mal nach." Zu der Zeit als Jesus mit seinen Jüngern auf der Erde gewandelt ist, waren noch viele Eseln". „Die Zeiten haben sich verändert.Es gibt Prioritäten".
"Heute braucht man so viele Eseln, als Vorsitzende und Führungskräfte, in der Kommunistischen Partei, so das man kaum noch einen Esel findet, der einen Pfarrer tragen möchte." "O Herr Pfarrer des is stark un a gfärlich, awer mir kenne uns jo, un so ises  heint 2 zu 0, far Sie"." Des Moped is a reppariert un vielleicht trinke mer bald a Gläßl guter Marijafelder mitananner. Bleibt gsund Herr Pfarrer un a guti Fahrt". „Sie auch mein verirrtes Schaf" und ich werde für deine Erleuchtung beten".

Grüß Gott

Friedhelm Krisch

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü