Militärdienst - Banater-Marienfelder-Erinnerungen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Militärdienst

Geschichten




      

                    

Militärdienst


In Rumänien, gab es in der Nachkriegszeit, die gesetzlichen Pflicht, den Militärdienst bis zum Alter von 26 Jahren, zu leisten. Vom 19 Lebensjahr an, wurde ich fast jährlich für die Musterung vorgeladen und wieder entlassen, da mein Vater bei der deutschen Armee gefallen war, wurde ich als  nicht vertrauenswürdig vermerkt. Mit dieser Aussage konnte ich aber leben. Mit dem Hauskauf und neuem Wohnsitz nach Großsanktnikolaus, war es Pflicht die Wohnsitzänderung im Personalausweis zu ändern. Da ich noch keinen Reservistenausweis hatte, musste ich mich bei dem Wehrdiensamt (Kommissariat) melden, für diese Änderungen im Personalausweis. An der Pforte,  musste ich mich anmelden und ausweisen, beim Dienstoffizier und mein Anliegen vortragen. Ich wurde registriert und er schickte mich in das Büro des Kommandanten, im Offiziersgrad, ein Oberst. Es war ein älterer Offizier, wie ich später erfahren habe, Choleriker und Diabetiker. Solche Menschen sind jähzornig, leicht erregbar und  neigen zu Wutanfällen. Ich klopfte an der Tür und ging in den Raum, grüßte „Guten Tag“, Er blickte nur kurz auf, wurde feuerrot im Gesicht und schrie „Was willst du, hinaus mit dir“. Ich blickte mich im Raum rum, ob er eigentlich mich meinte, aber er meinte mich. Und schrie noch lauter, „ Raus, raus, raus!“. Ich ging nun wieder hinaus, traf einen Hauptmann, den ich kannte und fragte ihn, „Genosse Hauptmann, Was habe ich falsch gemacht?“. “Warum ist der Genosse Oberst so wütend auf mich?“. Nun, belehrte er mich, du musst dich wie ein Soldat präsentieren, den Offizier mit seinem Rang  ansprechen, mit der Mütze in der Hand, in einer strammen Haltung. Er fragte mich noch was ich den möchte? „Ich komme wegen der Adresswechsel“. Ich sollte ihm mal meinen Wehrdienstausweis zeigen. Das war so ein leichter zusammengefalteter Karton (mal gewesen). So einen Ausweis bekam ein jeder Rekrut, bei der ersten Musterung. In diesen Ausweis wurde, bei den periodischen Vorladungen zum Wehrdienstzentrum, ein Vermerk eingetragen. Als ich diesen Ausweis bekommen habe, war ich 19 Jahre. Beim empfang von diesem Ausweis hatte man uns befohlen, als Rekruten, den Ausweis immer bei sich zu tragen, das war vor sieben Jahren, eine lange Zeit für ein Stück, aus leichter Pappe. Zu allem Unglück kam dieser Ausweis mit meiner Jacke, irgendwann, in die Waschmaschine und sah dementsprechend aus. Der Ausweis bestand aus zwei Teilen und die Schrift kaum lesbar. Als ich dem Hauptmann diesen, sogenannten Ausweis zeigte, meinte er nur, in meiner Haut möchte er nicht stecken. Da musst du aber durch. Wieder angeklopft an der Tür, gewartet bis das herein kam, in den Raum rein und mich präsentiert. „Guten Tag Genosse Oberst, mein Name ist Friedhelm Krisch, ich komme um meine Wohnsitzänderung zu melden“. Er blickte mich widerwillig an, hebt lässig seine Hand und ich überreichte ihm, diesen verwaschenen Ausweis. Ein kurzer Blick, auf die beide verwaschen Kartons, dan auf mich, wurde rot, die Augen quollen ihm aus den Augen und er schrie, „ Was ist das? Ich verhafte dich gleich und schicke dich in das Strafbataillon“, ich versuchte es ihm zu erklären, aber der hörte mich nicht an. Dann schrie er weiter “Warum hast du bis jetzt kein Militärdienst geleistet, hast dich gedrückt von der Pflicht“, „Nein Genosse Oberst an mir hat es nicht gelegen, vielleicht bin ich nicht gut genug, oder man hat mich vergessen“. Das machte ihn noch wütender, ich dachte, jetzt bekommt er einen Herzinfarkt. Er warf den verwaschenen Ausweis auf den Boden und schrie „heb ihn auf und geh zum Genossen Hauptmann, du wirst in Kürze deinen Militärdienst ableisten“. Gleich nach dem zweiten Weltkrieg, war es so üblich in Rumänien, dass man die deutschen, junge, Männer unter dem Deckmantel, Wehrpflicht, in Militärische Arbeitseinheiten, einberufen hatte. Es waren auch andere Nationalitäten, die übersetzt:“ keine gesunde Herkunft hatten“. Mit der gesunden Herkunft  war das „Elternhaus“, gemeint. Die Kinder der sogenannten Ausbeuter, politisch anders denkende oder deren Eltern keine Arbeiter waren. Diese Militärischen Einheiten für Arbeit funktionierten von 1950-1961, nachher wurden andere Methoden praktiziert. Im Volksmund, waren die militärische Einheiten für Arbeit, “DIRIBAU“ bekannt und gefürchtet. Es war eine Sklavenarbeit in Militäruniform. Es schufteten tausende junge Deutsche in Kohlengruben, Baustellen, Landwirtschaft, Brückenbau Eisenbahnenschienen u.a. Gewöhnlich dauerte dieser Arbeitsdienst 3 Jahren, diese Zeit wurde auch genutzt, zur politischen Umerziehung der Jugend, für die neue Sozialistisch glorreiche Zukunft.
Das wurde soweit ich mich erinnere Ende der 50 Jahren beendet. Es kamen nun die 40-45 Jahrgänge, in das Wehrpflichtige Alter, die übriggebliebene.  Da waren die Überlegungen, sind die Deutsche vertrauenswürdig, das sie in der neuen Volksarmee ihr Wehrdienst ableisten können. Diejenige, deren Väter  im zweiten Weltkrieg in der rumänischen Armee kämpften, hatten keine Probleme. Derjenige dessen Vater in der deutschen Armee kämpfte, war nicht vertrauenswürdig. Dieses Kontingent wurde vor sich hergeschoben, da man noch keine richtige politische Lösung gefunden hatte. Unter denen war ich auch dabei. Nun kam die Lösung. Diese Leute werden einberufen zu den Waffen. Ein Monat militärische Ausbildung und nachher, zur praktischen Übung, Pioniertruppen für Brücken und Straßenbau. Mann hatte auf einen Schlag, tausende billige Arbeitskräfte, für Straßen und Brückenbau. Auf diesen Baustellen arbeiteten die Soldaten, zusammen mit zivilen Arbeitern, unter der Leitung ziviler Meister und Ingenieure. Musste in eine solchen Einheit 16 Monate Militärdienst ableisten. Verlorene Zeit für mich. Der Fünfjahresplan wurde erfolgreich überschritten (wie immer), bei allen diesen Plänen. In der Bevölkerung gab es den Spruch, „Wir geloben den Fünfjahresplan zu erfüllen und wenn wir sechs Jahre daran arbeiten“.
Die, einmonatige, militärisch Ausbildung, machte unser Battalion (circa 1000 Mann) in Alba Iulia (Karlsburg), nachher wurden wir, in Kompaniestärken, auf verschiedene Baustellen verteilt. Militärische Übungen nach der Arbeit, waren angeordnet, damit  der militärische Charakter,  für die Öffentlichkeit ersichtlich war. Die militärische Ausrüstung (Gewehren), blieb im Battalion in Karlsburg zurück. Unsere Kompanie hat, zusammen mit Zivilkräfte, den Weg zwischen Moldova Noua und Oravita modernisiert, Den Autohof, Busiascher Straße, in Temeswar und in Arad verschiedene Wohnblocks. Da unsere Einheit zusammen mit Zivilarbeiter arbeitete, waren der Arbeitsrhythmus und Arbeitsbedingungen erträglich. Es war Gott sei Dank keine „Diribau Militäreinheit“. Untergebracht waren wir in unmittelbarer Umgebung der zivilen Wohnhäuser. Meine Tätigkeit in dieser verlorenen Zeit war vielfältig, Sanitäter, Wächter über unsere Unterbringung und die Kleiderverwaltung. Wir hatten einen strengen Kommandanten aber gerecht. Er meinte einmal zu mir, „Mit euch Deutschen habe ich keine Probleme, ein jeder hat seinen Beruf und ist auch gehorsam“. Wir waren 10 Landsleute aus dem Banat. Am 29.09 1967 wurden wir dan entlassen. Die meisten von uns waren schon verheiratet mit Kindern. Die Kameraden saßen schon auf de Koffern und warteten voller Ungeduld auf den Entlassungsschein. Es waren noch so circa 20, die gab mir der Hauptmann und meinte verteile sie. Die Kameraden Jauchzten umarmten sich und fort ware sie für immer. Das ging alles ohne Zeremonie. Nun auf einmal merkte ich dass ich nur mehr alleine bin. Zuletzt waren wir auf einer Etage in einem Blockhaus untergebracht.
Aber jetzt musst du auch gehen. Ging zum Hauptmann in sein Büro und meldete“ Genosse Hauptmann möchte ihnen die Schlüssel vom Kleidungsraum übergeben“, er meinte nur „Stimmt doch alles“. „ Jawohl Herr Hauptmann es stimmt alles“. Meinen Entlassungsschein hatte ich ja schon. Dann fragte ich ihn „ Herr Hauptmann kann ich jetzt gehen“,. „Jawohl du kannst gehen zu Frau und Kind“, gab mir die Hand und wünschte mir einen guten Nachhauseweg. Er bemerkte noch " vergiss nicht deine Zivilkleider" "Nein Genosse Hauptmann mache ich sofort" und verabschiedete mich mit militärischem Gruß. Es waren ja nur 60 km von Arad nach Großsanktnikolaus



Friedhelm Krisch                                                                        Karlsruhe  07.09.2015

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü